Gottesdienst: Wenn Glaube wie ein Fußballspiel begeistert
Martin Herche wurde am 22. Januar in sein Amt als Generalsuperintendent des Sprengels Görlitz eingeführt. In seiner Predigt betonte er die verbindende Wirkung des Evangeliums.
Von Gabriel Wandt
Martin Herche ist der neue Generalsuperintendent des Sprengels Görlitz. Er möchte das Christsein in die Gesellschaft tragen. In Görlitz, der Geburtsstadt des Fußballnationalspielers Michael Ballack, verglich er das Glaubensleben mit der Faszination, die das Fußballspiel in den Menschen weckt. Als Viertklässler in Forst habe ihn die Leidenschaft der Spieler so sehr begeistert, dass er fortan jedes Heimspiel besuchte. Eine solche Kraft habe auch das Evangelium. Dieses weiterzusagen, sei seine Berufung.
Es ist ein würdiger Moment, als Martin Herche vor dem Altar der voll besetzten Görlitzer Kreuzkirche kniet. Landesbischof Dr. Markus Dröge spendet ihm den Segen und legt ihm das Kreuz um den Hals. Damit wird sichtbar: Martin Herche ist der neue Generalsuperintendent für den Sprengel Görlitz. Mit einem großen Gottesdienst, dem Bläser und Chorsänger aus dem ganzen Sprengel einen festlichen Rahmen gaben, ist der Generalsuperintendent am 22. Januar in sein Amt eingeführt worden. Hier ist es nun seine Aufgabe, die Menschen in dem neu gebildeten Gebiet zueinander zu bringen.
Landesbischof Dröge betonte in seiner Ansprache die Chancen, die Veränderungen mit sich bringen. Martin Herche ist ein Mann, der Veränderungen kennt und sie zu gestalten weiß. Das hat er bereits in Halle-Naumburg getan, wo er zunächst Propst, dann Regionalbischof dieses Sprengels in der neu gebildeten Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland gewesen ist. Nun leitet er den Sprengel Görlitz, der Anfang 2010 bis nach Südostbrandenburg hinein vergrößert wurde. Gut 200 000 evangelische Christen leben in diesem Gebiet. Neu ist die Gegend für den 1953 geborenen Theologen nicht: Er ist in Forst in der Niederlausitz aufgewachsen.
Wenn sich Traditionen begegneten, eröffneten sich neue Perspektiven, sagte Bischof Dröge. Sowohl in der Cottbuser Region als auch im Görlitzer Raum sei Kirche lebendig und blicke auf eine lange Tradition zurück. Diese Lebendigkeit entstehe durch das Hören auf Gottes Wort.
Daran knüpfte Martin Herche in seiner Predigt an. Nicht die äußeren Ordnungen, sondern das Evangelium bringe die Menschen zueinander. „Das Evangelium hat verbindende Kraft, es gilt im ganzen Sprengel Görlitz“. Er sandte einen Friedensgruß an die Menschen im Sprengel, aber auch an die Sorben und Wenden sowie nach Polen. „Lasst uns Menschen des Friedens sein“, warb er.
Die Ökumene ist ein wichtiges Thema für Martin Herche. Das Miteinander von Christen beider Konfessionen hat er schon im katholisch geprägten Eichsfeld in Thüringen gestaltet. Dort war er in den 1990er Jahren Pfarrer und Superintendent, bevor er nach Halle-Naumburg wechselte.
Mit seiner Berufung, das Evangelium zu predigen, stellte er sich bewusst in die Tradition derer, die das auf dem Gebiet des neuen Sprengels schon vor ihm getan und die das Wort Gottes trotz drohender Schwierigkeiten weitergesagt haben. Herche erinnerte unter anderem an den früheren Cottbuser Regionalbischof Günther Jacob (1906 bis 1993), der im Sinne der Bekennenden Kirche seine Stimme erhob. „Die Zeiten sind anders, der Auftrag bleibt“, sagte Martin Herche und kehrte am Ende seiner Predigt zu den Fußballspielern zurück. Der Verein in Forst habe heute einen anderen Namen, „aber Fußball spielen sie immer noch, und das wird sich auch nicht ändern.“
Bischof Dröge hatte zuvor Dr. Hans-Wilhelm Pietz von seinem Amt als Regionalbischof entbunden. Er sei in einer schwierigen Zeit den Menschen Seelsorger und Berater gewesen, so Bischof Dröge. Pietz' Dienst habe reiche Früchte getragen. Den Auftrag, geistliches Leben zu bewahren und zu fördern, könne er in seinem neuen Amt als Spiritualitätsbeauftragter der Landeskirche weiterhin ausführen.
Martin Herche war am 25. September 2010 für zehn Jahre in sein neues Amt gewählt worden und hat es am 1. Januar 2011 angetreten. Er ist der erste gewählte Generalsuperintendent im neu gebildeten Sprengel. Sein Dienstsitz ist Görlitz.
