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Schleifer Christkind

RSSPrint

Vor 100 Jahren, im Jahr 1918, waren die Tage besonders kalt, wieder stand ein Hungerwinter an. Der Krieg war im November gerade zu Ende gegangen. In den Häusern beklagten die Menschen ihre gefallenen Männer und Söhne.

Die Glocken der Schleifer Kirche waren verstummt – sie waren für die Rüstungsindustrie eingeschmolzen worden. Schwere Zeit für die Menschen hier und in ganz Europa.

Gerade in dieser Zeit hat Pfarrer Matthäus Handrik ein Hoffnungszeichen gesetzt: Am Altar unserer Kirche segnete er im Advent 1918 das Schleifer Christkind ein: Als von Gott gesegnet sollte es den Segen in die Häuser bringen.

Das Christkind, dass das Jesuskind symbolisiert, zog von Haus zu Haus. Jesus als Kind und König. Dem die Menschen ihre Türen und Tore öffnen.

Stellen sie sich dies im Kontext vor: Am 9. November hatte Wilhelm II. abgedankt. Jahrhundertelange Monarchie war nun in Deutschland Geschichte. Eine Umwälzung, die wir uns gar nicht groß genug vorstellen können. Es gab keinen deutschen Kaiser und auch keinen preußischen König mehr.

Und gerade da, wenige Tage später, segnet Pfarrer Handrik das Christkind ein, schickt Jesus als Kind und König durch die Häuser, zu denen die trauern, die hungern, denen kalt ist:

Seht: Christus ist euer König. Sanftmütig kommt er zu euch. Mit einer sanften Berührung.

Was für eine theologische und politische Zeichenhandlung!

100 Jahre sind seither vergangen. Jahre mit wechselvoller Geschichte. Nach einiger Zeit gab es keine Segnung in der Kirche mehr… Dann die Umbenennung als Bescherkind in sozialistischen Zeiten… Doch seit einigen Jahren breitet sich von neuem das Bewusstsein aus, welch einen einzigartigen Schatz wir mit den Christkindern in unseren Dörfern haben. Denn, worauf kommt es an in Zeiten von Krieg, Pauschalverurteilungen und Ausgrenzung? Das Christkind kommt zu uns mit seiner Sanftmütigkeit.

Es will unser Kind und König sein.

Letzte Änderung am: 11.12.2018